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Freiheit

Gedanken zum Freiheitsbegriff

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Zwischen dem Wort „frei“ und seiner Subjektivierung in Form von „Freiheit“ besteht ein Zusammenhang. Dieser ist mal offensichtlich eklatant, mal verdeckt ummantelt, übermalt.
Assoziiert wird eine von Grenzen, Einschränkungen, Korridoren, freie Zonen, ein Raum, oder ein uneingegrenztes Verhalten, entgrenzte Möglichkeiten. Freiheit findet sich in verschiedenen Ausrichtungen, zusammen mit bestimmten, dennoch unterschiedlichen Attributen, verbändelten Gedanken- und Vorstellungsräumen.
Genau die Vorstellung des Entgrenzten, des nicht begrenzbaren, nimmt die Vorstellung des Raumes, eines Entfaltungsraumes in sich auf.

Dem Aufklärer Kant zufolge kann reale Erkenntnis immer nur in einem definierten Raum-Zeit-Kontinuum erfolgen. Unser Wahrnehmungs- und Interpretationsraum ist an dieses Kontinuum geknüpft.

Wie Immanuel Kant Aliens im Denken antraf - Forschung: Das Magazin -  derStandard.de › Wissen und Gesellschaft
Immanuel Kant

Eine Erkenntnis außerhalb von Raum und Zeit ist nicht möglich. Jede Empirie ist auf diese Wesenheit angewiesen, da Erkenntnis immer das Transzendieren, das Überschneiden von Empirie und Ratio ist, also Erleben/Wahrnehmung und Vorstellung/Begriffswelt, dem Erlebten einen Begriff und dem Begriff ein Erleben zuordnen. So, die Grundfeste der Aufklärung mit Blick auf den Erkenntnisprozess.

Was passiert aber in einem grenzenlosen Raum, denn genau den umkreist ja unsere Begrifflichkeit von Freiheit bzw. dem „frei sein“. Die Entgrenzung des Räumlichen ist nur eine Vorstellung, keine reale Größe. Denn der Raum, als reale Größe, der Raum in dem sich Wirkliches abbildet, ist durch die vektorielle kartesische Dreidimensionalität mit drei diskreten Werten fixiert. Drei Vektoren, die jeweils senkrecht aufeinander gestellt von der Nicht-Dimensionalität des Punktes aus, bis hin zur Dreidimensionalität des Raumes reichen und so unseren Vorstellungsraum umreißen. Löst man nur eine der diskreten Größen, zerfällt der fixe Erkenntnisraum. Zurück bleibt die Vorstellung einer Ausdehnung, aber kein definierter Raum. Ist Erkenntnis, egal ob in spiritueller oder materialistischer Lesart, im unbegrenzten Raum vorstellbar, oder bettet sich dasjenige, was wir mit unendlicher Freiheit ausdehnen wollen, letztlich doch wieder nur fix in einen darin vorbestimmten Raum ein? Gewissermaßen, ist unsere „Vorstellung“ eingehängt in einen fixen Raum, den wir nicht erkennen, weil sich seine Grenzen in andere, für uns nicht wahrnehmbaren Kategorien verorten? Kant sagt nein, indem er unseren Wahrheitsbegriff an unsere „erkennbare Erfahrungswelt“, die wir mit unseren „Echoloten“ abtasten einhängt. Auch Kant, als Materialist, will nicht über die Schwelle des Nichtwahrnehmbaren gehen, obwohl diese auch bereits zu seiner Zeit bekannt und sogar in ihren Wirkungen erkennbar waren. Hier sei nur an die Wirkung von Feldern erinnert. Jeder kennt das magnetische Feld und den dazu schöne Muster gebenden Versuch, mit den gestreuten Eisenspänen auf einem Blatt Papier, unter dem ein Magnet hin und her bewegt wurde. Wohlgemerkt sind deren Wirkungen erfahrbar, nicht aber das Wesen des Feldes selbst, das wir an seiner Wirkung wohl erkennen ihm aber nicht selbst nicht habhaft werden. Oder ist es das, was Kant damit umriss, als er ausführte, das das „Eigentliche“, „die Sache an sich“ nicht erkennbar sei?

Der Glaube sagt ja! Wir können in den Wahrheitsbereich des nicht Erkennbaren eintreten. Hier nicht als Wissen, sondern als vernehmbare Kraft des Glaubens. Die Frage der Erkenntnisfähigkeit ist enger mit dem Freiheitsbegriff verwoben, als man kurzerhand denken will. Inwieweit ist die Ausdehnung einer Freiheit vom fixen Raum abhängig? Oder benötigt die grenzenlose Freiheit einen grenzenlosen Raum?

Daran eröffnet sich eine andere Denkfigur, über weitere Denk- und Erkenntnisoperationen hinweg. Das Verhältnis von Glauben und Wissen, gleichsam dem Verhältnis von Vermutung und Erkenntnis.

Hinter den vermuteten Unschärfen steckt folgender Gedanke: Gibt es objektive Kriterien, an denen der Begriffe von Freiheit, ebenso wie Wahrheit fest zu machen ist? Daraus ergibt sich dann allgemein die Frage, darf man den ggf. dafür gefundenen Kriterien vertrauen? Denn daraus leitet sich sogleich eine sehr persönliche nur individuell beantwortbare Frage ab: Allein nur der Umfang meiner, unserer intellektuellen Auffassungsgabe folgend, soll danach Grundlage sein, einen absoluten, immer und überall gültigen Begriff, als stetige Rechtfertigung dienend formuliert werden können? Eine überaus hohe Anmaßung, deren Rechtfertigung zu überprüfen wäre. Ich, als Individuum, erkläre/erteile mir selbst die Absolution darüber, alle diese Fragen als abschließend geklärt und für unverrückbar zu verteidigen? Auf welche Basis könnte ich eine solche manifeste Einschätzung gründen? Auf was?

Eine solche Auffassung muss m.E. gerade aus objektiven Gründen als obsolet gelten. In der Praxis wird genau dies kontrovers diskutiert.

Die moderne Wissenschaftstheorie, ein Zweig der Philosophie, kommt seit einiger Zeit zu dem Schluss: „Es kann keine objektive Wahrheit mehr geben!“ Belege dafür stammen zumeist aus der Physik, wie beispielsweise der Welle-Teilchendualismus des Lichts, die Heisenbergsche Unschärfe Relation, wonach entweder Ort nicht aber der Richtungsimpuls oder aber der Richtungsimpuls nicht aber der Ort von Elementarteilchen bestimmbar sind. Beides muss unabhängig voneinander betrachtet, dennoch zusammen gedacht werden. Das „Standardmodell des Atomkerns“, wonach das sog. Higgs-Boson, bisher nur vermutet und rechnerisch vorhergesagt war, das vor wenigen Jahren, durch Versuchsanordnung in der Teilchenbeschleunigeranlage CERN, anscheinend über Hilfsmodelle als existent beschrieben wurde und damit diese Theorie über den Aufbau des Atomkerns weitere Bestätigung erfuhr und die bis dahin als Theorie geführte Vermutung nun als Erkenntnis geführt wird, wäre ebenso zu nennen. Bemerkenswerterweise ist demnach für die Gravitation, als Grundlage des kosmischen Zusammenwirkens der stofflichen Materie, nicht etwa eine Masse verantwortlich, sondern, ein Art Schwingungszustand, also eine reine Energieform, die materiell wirksam ist! Es gibt bestimmt noch viele weitere Beispiele, unter anderem auch dieser Hinweis, dass die meisten neueren physikalischen Erkenntnisse nur noch mit und unter Zuhilfenahme mathematischer Formelapparate erklärbar werden, da sie sich in der oben bereits genannten Raum-Zeit-Bedingung empirisch, also aus einer verifizierbaren Empirie/Beobachtung nicht abbilden lassen. Der Satz, dass es keine objektive Wahrheit geben kann, nimmt aber für sich in Anspruch Wahrheit zu sein. Genau das verneint aber der Satzinhalt.

Aus den bisherigen Überlegungen wird die Beantwortung, was frei, Freiheit ist bzw. sein kann, nicht möglich.

Anders als bei der Frage warum Eins eben Eins ist, mit rein mathematischen Prinzipien nicht herleitbar ist, sondern hier aus dem Bereich der Philosophie konkrete Festlegungen vorausgesetzt werden müssen, ist die Frage, in welcher Weise Wahrheit mit der Freiheit verbunden ist, eben nur auf eindimensionaler, linear gedachter Methodik der Philosophie bzw. Theologie möglich, die eben gerade nicht senkrecht zur Philosophie steht, sondern als linear eigenständiger Bereich gedacht werden muss. Genau das senkrecht auf die zu analysierende Ebene gerichtet Betrachtungsrichtung ist hier unmöglich. Denn Begriffe oder Wirkungen von, erst in der Substanz beschreibbarer Begriffe wie Wahrheit oder Freiheit, lassen sich nicht über Hilfsbetrachtungen wie Mathematik, Physik, Chemie auch nicht über andere geisteswissenschaftliche Prinzipien, außer eben der Philosophie und Philologie erläutern. Wie zum Beispiel Physik nur mit Hilfe der Mathematik, Biologie nur mit Hilfe der Chemie ausreichend verständlich und einsichtig beschrieben werden kann, so haben wir in der Frage zum Verhältnis von Wahrheit und Freiheit den Fall, dass wir bildhaft gesprochen, einem Pfeil, der die Welt der Wahrheit und der Freiheit gleichsam in sich aufgenommen hat, nur in der Flucht seiner Abschussrichtung hinterher sehen können, aber nicht von außen die Wurfparabel des abgeschossenen Pfeils betrachten können. Dies kann, wenn überhaupt, nur die historische Nachlese, die da lehrt, das Freiheitsgedanken die einst gedacht wurden, sich in der geschichtlichen Tatsachenbewertung als schwerste Verwerfungen, meist als Elend, Krieg und Verfolgung abbildeten. Hier eingerechnet die als Keim, oder Katalysator wirkenden kleinsten freiheitlich philosophisch betrachteten Denk-Nuance, bis hin zu den Ergebnissen der „Staatsphilosophie“ eines Machiavelli, über die Französische Revolution, die deutsche Aufklärung mit ihren spürbaren Ausflüssen und -schlüssen, bis in die Infernos der Weltkriege hinein und nun wieder hochkochend auf neuen Schauplätzen des Kampfes um den Hoheitsbegriff der Freiheit. Wir blicken, sozusagen in einen infinitesimal engen Tunnel hinein, in dem diese beiden Begriffe irgendwie enthalten sind. Oder anders. Wir können eben keinen „Raum“ der Erkenntnis aufspannen, sondern blicken analytisch auf einen „nichtdimensionalen Punkt“, in ein winziges Loch in dem ein eindimensionaler Strahl unbestimmter Länge und Art versenkt ist.

Und so, wie sich Begriffe wie Wahrheit und Freiheit im Rahmen der aufklärerischen Sicht auch an die dort gültigen Prinzipien halten müssen, so bietet eine spirituelle Sicht und verschiedene Arten von Erfahrungswissen, hier ein ebenso weites und großes Feld zur Begriffsbestimmung nur mit dem Unterschied, dass dieses Wissen um den Wahrheitsgehalt dieser Begriffe nicht die geistes- oder naturwissenschaftliche Analyse sucht, sondern diese regelrecht abperlen lässt, genauso, wie die natur- und geisteswissenschaftliche Sichten auf die Welt, spirituelle Erfahrungswelten an sich abperlen lassen. Dennoch sind diese spirituellen, wie erfahrungsbasierten Überzeugungen und Erfahrungen in Ihrer Wirkung auf unser Denken und unsere Interpretation von „Welt“ in gleicher Weise immanent wirksam.

Genau das war ein wichtiger Ansatz der deutschen Romantik, mit der „Aufklärung“ und ihrer Verlustigkeit vom Menschsein und vielmehr vom Göttlichen im Menschlichen ins Gericht zu gehen. Ich verweise auf Schelling und dem heute fast solitär monolithisch in der Philosophie allein dastehenden Joachim Kirchhoff, der versucht, an diese scheinbar verloren gegangenen Welteinsichten wiederum anzuknüpfen. Ebenso möchte ich hier auch an J. W. v. Goethe, der gemeinhin als „Aufklärer“ gewertet wird, dessen Erkenntnisse hin zum Humanen, sichtbar aufklärerische Züge trägt, aber im inneren Wesen genau stets das göttliche Element im Menschen und dessen „Eingespannt-sein“ in das Kräfteoktogon bekannter und unbekannter Kräfte beschwor und eine erklärter Feind der Französischen Revolution war. Seine, von ihm selbst als Hauptwerk herausgestellte Farbenlehre, eine naturphilosophische Interpretation des Lichtes und der Farbzusammenhänge, widersprach diametral den Erkenntnissen eines Isaak Newton und brachte in der wissenschaftlichen Nachlese viel Gelächter hervor. Man sollte dabei nie vergessen, dass Newton sich selbst nie als Aufklärer verstand und gerade umgekehrt in allen großartigen Erkenntnissen, die er in Physik und Mathematik fand, nichts anderes sah als Gottes Wunderwerk! Er strebte nie nach anderem, fühlte sich einem großen Gott verpflichtet und suchte dessen Ruhm zu mehren. Also das Gegenteil von Goethe und jeweils mit entgegengesetztem Ausfluss! Goethe der Aufklärer, nährt sich dem Göttlichen, Newton, der gläubige Christ nährt sich dem Materialismus der Aufklärung.

Weimar-Lese | Johann Wolfgang von Goethe
J.W. Goethe
Isaak Newton

Es ist darum unmöglich einen festen Freiheitsbegriff zu formulieren. Wer einen solchen definieren will, muss von Annahmen ausgehen, die er eben genau aus dieser Eindimensionalität philosophisch herleiten muss und deshalb keinen Maßstab darüber anlegen kann. Der Maßstab selbst hätte immer eine Null-, eine Punkt-, eine Nicht-Dimensionalität.

In der Antike nannte man diese Figur den Uroborus, der kreisbildend, um ein leeres Zentrum herum, sich, vom Schwanze an, selbst verzehrt. In Exceltabellen erscheint bei diesen, nach logischen Prinzipien des Aristoteles aufbauend, kausaler Unlogik, dann die Warnung: „Zirkelschluss“ auf dem Bildschirm. Sich selbst, mit, aus sich selbst erklären, oder in Funktionalität bringen zu wollen, ist schlicht ein solch unzulässiger unlogischer Zirkelschluss.

Religion bzw. Glaube ist an diesem Punkt in gewisser Weise ehrlicher. Nämlich, in dem sie auf das Fehlen von Logik deutlich hinweist und dann, im sicheren Ton, auf dem Erfahrungswissen basierend, zur Aussage findet: „Nun gehet hin und glaubet!“ >Paulus an eine Gemeinde in Griechenland<.

Ein Erfahrungsbericht, dass Freiheit in Unfreiheit gegründet liegen kann, hörten wir unlängst beim Mitgliedertreffen. Wie es möglich ist, sich im „unfreien“ Bulgarien „vollständig frei und ungebunden“ zu fühlen, ist nicht nur berührend, sondern von essentieller Bedeutung, wenn es um den Freiheitsbegriff selbst geht.

Auch wenn eine solche Einschätzung einer, wie auch immer gearteten analytischen Überprüfung nicht standhalten würde, ist der Erfahrungsfakt als solches unumstößlich und kann sehr wohl für anderes als nun verfügbarer Maßstab angelegt werden. Mit Hilfe solcher Erfahrungen, skaliert sich Freiheit von Unfreiheit, bis hin zur vollkommenen Freiheit. Dies ist ein natürlicher Erkenntnisprozess. Hier wird nochmals sehr deutlich, wie analytisches Denken an seine Grenzen stößt. Es ist der Mensch, mit seinen Erfahrungen, seiner Wahrnehmung, seiner Individualität, der hier die Maßstäbe, im Widerstreit unterschiedlichen Erlebens und Erkennens, diese überwindend, als substantielle Ich-Erfahrung in die Betrachtung der Welt einfließen lässt.

Wenn wir über Freiheit sprechen, können wir gern wissenschaftlich philosophische Grundsätze als gesetzte Werte heranziehen. Diese allein in die Gesamtschau einfließen zu lassen, wäre fatal, in jedem Falle unvollständig.

Theodor Adorno: „Es gibt kein Leben im Falschen“


Wenn T.H. Adorno sagt: „Es kann kein richtiges Leben im Falschen geben.“, dann trifft dies auch für unseren Gegenstand der Betrachtung zu, auch dann, wenn dieser Satz in ganz anderen Zusammenhängen gedacht wurde. Er zeigt, dass die Gewissheit des Richtigen keinen Sinn macht, wenn diese Richtigkeit bereits im Falschen geboren ist. Und es ist ja gerade diese heutige Sicht auf die Welt, das alles wandelbar, austauschbar, entwicklungsfähig, beschneidbar, eben veränderbar wird, dass uns in letzter Konsequenz die Sicherheit, einen festen Boden unter den Füßen zu haben, nimmt.

Warum wollen wir eine Basisdemokratie? Auf was soll sie sich gründen können, wenn wir deren Gründung bereits in beweglichen, nachgebenden Boden setzen? Oder sitzen wir doch alle, wie Flüchtlinge zusammengekauert, in einem schwabbligen luftabblasendem Schlauchbot auf offener See?

Wenn wir also von außen auf Gründung hoffen, dann werden wir auf Sand bauen. Es ist und bleibt eben die Anforderung an einen jeden von uns, sich selbst seine Freiheit und damit seinen Freiheitsbegriff zu bilden, der auf der Grundlage eigener bewusster Erfahrungen fußt und ebenso von individuellen Glaubenserfahrungen geformt ist, damit aus den individuell gehobelten, geglätteten zurechtgeformten „Erfahrungsbohlen“, dann ein solides stabiles Boot in Gemeinschaftsarbeit gezimmert werden kann, die nun dünnen Spalten untereinander solide kalfatert werden können, mit dem man auf offener See Überbordgegangene einsammeln kann und sich selbst sicher an ein neues Ufer bringt. Franz Josef Straus sagte einmal streng aber richtig: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz!“. Und ich sage noch dazu: „Eigennutz ist die Grundlage für Gemeinnutz“ weil Eigenliebe Grundlage für die Nächstenliebe ist.

Und ich komme zu meinem Plädoyer: Liebe, Glaube, Hoffnung sind wunderbare Elemente, auf die man vertrauen darf, um sich eine stabile Ausgangsplattform zu bauen.

Das sind erkennbar christliche Maxime, denen ein enormes Erfahrungswissen zugrunde liegt. Ich selbst hatte vor Kurzem das überaus freudige Erlebnis, mit wieviel Glück ein guter Bekannter hier eine neue Lebensgrundlage für sich schaffen konnte, um durch die Wirrnisse der Zeit zu kommen. Für ihn bedeutete diese Einengung auf den christlichen Glauben hin, die vollkommene Freiheit in seiner Seele und völlig neue Freiheitsgrade im furchtlosen Handeln. Und am Ende geht es um das Handeln als höchste Stufe der Erkenntnis und als eigentliches Prinzip. Gute Gedanken und schlechtes Handeln sind nutzlos. Keine, oder schlechte Gedanken kann man auch Dummheit nennen, aber, gutes Handeln ist ein echter Gewinn. Und darum geht es.

Ich sehe darin eine deutliche Kongruenz, oder Ähnlichkeit zu dem „Bulgarienreisebericht“ aus den 80-iger Jahren. Davon abgesehen existiert diese Freiheit in einer determinierten Räumlichkeit, deren drei Ausdehnungen durch den dahinter gelegten Rahmen ausgebildet sind. Die Freiheit ist deshalb nicht unendlich, aber menschlich angemessen und ausreichend ausgedehnt. Die Ausdehnung bestimmt jeder durch Gebet und Meditation, durch Lesen und Erweiterung seines Kenntnisstandes selbst und sein Erfahrungsbereich kann, von ganz irdisch Kleinem, bis in die Unendlichkeit eines Jochen Kirchhoffs führen, der übrigens täglich meditiert, also betet. Was ich nicht meine, ist ein Auflösen christlicher Setzungen. Sondern ein Existieren in solchen Setzungen und eben auch daneben darüber hinaus oder anders wo, aber in bestimmbaren definierten Räumen. Begrenzung als Maß dafür, seine Ausdehnung überhaupt wahrzunehmen. Als eine anderer Form des „festen Wickelns“ von Säuglingen, als eine Art Schutz, vor dem sich Verlieren in der Unendlichkeit eines nicht bestimmbaren Freiheitsbegriffs.

Freiheit existiert nicht über unbestimmbare Grenzen hinweg. Das Unbegrenzte ist für die menschliche Existenz eine Bedrohung. Dies gilt für den unendlichen Raum, die unendliche Zeit, das unendliche Leben, die unendlichen Verfügbarkeit von Gütern, Ressourcen etc. All dies sind keine Erweiterungen, sondern direkte Angriffe auf das Menschliche. So wie der Mensch selbst in Zeit und Raum begrenzt ist, benötigt er solche für das Ausfüllen seines Menschseins. Dies ist kein Zwang der durch Begrenzungen von Kraft, Übersicht, Wille, und Macht gegeben wird, sondern in sich selbst konstituierende Grundlage des Menschseins begründet.

(Ingolf Petzold)

Fotos: ©scottiberlin (außer Adorno)